Bob Rutman
 
‘Landschaft Stuhl Maria’
 
Malerei⁄Skulptur⁄Instrumente
 
 
11.Februar — 24.März 2012
 
Verlängert bis einschl. 31.03.2012
 
 
zu sehen in der
 
Galerie bauchhund salonlabor und in der Kirche St. Richard

 
 

“Als Musiker ist Bob Rutman eine Legende. Sein Steel Cello Ensemble,
die selbst gebauten Instrumente — archaisch anmutende Stahl– aber auch
Styropor–Ungeheuer, die es als Kunstobjekte bis in das Smithsonian ge–
schafft haben —, Kooperationen mit Heiner Goebbels oder Peter Sellars.
 
Das gilt nur in eingeschränktem Maße für den Maler und bildenden Künst–
ler Rutman, obwohl sein Œuvre umfangreich und vielgestaltig (großfor–
matige Öl– und Acrylmalerei, Gravuren, Siebdrucke, Drahtskulpturen und
plastische Metallarbeiten). Erst jüngst verlieh Wim Wenders, ein alter
Freund Rutmans, der mit ihm auch bei seinem Film In weiter Ferne, so nah! zusammengearbeitet hatte, seinem Erstaunen Ausdruck, dass etwa die
große Gemälde-Serie zum christlichen Motiv der fünfzehn Mysterien des
Rosenkranzes niemals in ihrer Gesamtheit ausgestellt wurde.
 
Die Ausstellung Landschaft Stuhl Maria versucht das zu ändern, was inso–
fern aussichtsreich und begrüßenswert ist, da an zwei Orten ein Gesamt–
eindruck in Rutmans bildkünstlerisches Schaffen geboten werden soll, die
dafür äußerst geeignet sind. Eine Off–Galerie und eine Kirche. Über
Rutmans Nähe zur wilden und ungezügelten Szene an den Rändern muss man
nicht viele Worte verlieren, und eigentlich sollten auch Rutmans wieder–
holte Auftritte – von der Coventry Cathedral, der Minoritenkirche in
Krems bis hin zur Kapelle in Friedrichshain — für sich selbst sprechen.
 
Während die Musik zwischen drone und wilder Verwegenheit pendelt, zeu–
gen die Bilder und Skulpturen von fröhlicher Beschwingtheit, Ruhe
und nachgerade “weiblicher” Sanftheit. Sie besitzen durchweg auch eine
Prise Humor, die sich sogar dann bemerkbar macht, wenn Rutman selbst
von seiner Faszination durch mittelalterliche Kunst spricht. Die Mysterien–Serie wird erstmals beinahe vollständig zu sehen sein (eini–
ge Bilder daraus sind nach Übersee verkauft) und besticht durch ihre
schlicht gehaltene allegorische Form. Unschwer wird man auch auf diesen
Leinwänden den Künstler selbst entdecken dürfen. Die Landschaften und
Stühle lassen Ding–Welten auf singuäre und beinahe meditative Weise die
Bühne betreten. Menschen, fliegend im Linienzug, der sie sind; Pferde,
auf dem Sprung. Der Musiker Rutman wird deutlich, ja sogar deutlich
hörbar. Weniger das Schwingen ist es, das vor langer Zeit schon dazu
in der Lage war, die Mauern von Jericho zum Einsturz zu bringen; viel–
mehr ist es ein sanfter beruhigender Ton, der tröstlich der Rahab gel–
ten mag oder ihr gewidmet sein (sie war diejenige, die gemeinsam mit
all jenen, die unter ihrem Dach lebten, die Zerstörung der Stadt überlebte).
 
Sieht man Bob Rutman hinter seinem Steel Cello spielen, das dem Bug
eines Schiffes gleicht, dann gewinnt man schließlich nicht den Eindruck,
hier starre jemand aufs Meer und warte auf einen Fisch. Wale, ob weiß
oder auch nicht, sind gewaltige Säuger. Doch vor dieses Bild schiebt
sich jetzt noch ein anderes oder tritt an die Seite Ahabs. Etwas, das
in den Bildern nachklingt: fröhliche Ruhe.”
 

  Text: Andreas L. Hofbauer, Januar 2012, für galerie bauchhund salonlabor
 
 
 
 

 
 
 
 

 

 

 

 
 
 
 

 
 
 
 

 

 
Fotos: HD Seibt

 
 
 
 

 
 
 
 
Bob Rutman - Kurzer künstlerischer Lebenslauf
 
Robert (Bob) Rutman wird 1932 in Berlin geboren. 1938 flüchtet er mit
seiner jüdischen Mutter nach Polen, 1939 von dort aus weiter nach England.
1950 wandert er nach den USA aus und absolviert 1951 seinen Wehrdienst in
Deutschland (Heilbronn).
 
1956-1962: Kunststudium in New York und Mexiko City.
 
1966 gründet er eine eigene Galerie in New York. Zwischen 1970 und 1976
betreibt er mehrere multimediale Galerieprojekte in Maine (USA).
 
Seit Ende der 70er Jahre erfolgen umfangreiche Tourneen mit seinem
Steel Cello Ensemble durch Amerika und Europa.
 
1990 kehrt er nach Berlin zurück.
 
 
Bob Rutman arbeitet als Maler, Grafiker, Bildhauer und Musiker. Auf
allen diesen Gebieten sind zahlreiche Werke entstanden.
Vom bildnerischen Werk gab es bislang große Einzelausstellungen in Houston
(1959), Mexiko City (1960), New York (1963, 1964, 1983, 1985), Boston (1962,
1978), Barcelona (1990), Berlin (1988, 1990, 1991).
 
Aus dem künstlerischen Leben in Berlin ist Bob Rutman seit den 1990er
Jahren nicht mehr wegzudenken. Sowohl musikalisch (und seine selbstgebauten
Instrumente sind nichts anderes als “tönende Skulpturen”), wie auch
als Maler und Grafiker.
 
Bob Rutman hat unter anderem mit Merce CunninghamRobert WilsonPeter
Sellars
Wim Wenders, der Tanzfabrik Berlin und dem Stanford Group Theatre
zusammengearbeitet.
 
Neben zahllosen Bildern und Zeichnungen (Malerei und Grafik) sind auch
mehr als zehn Schallplatten bzw. CD–Einspielungen erfolgt.
 
Zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland.
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 
Fotos: HD Seibt, 2012
 

 
 
Weitere Informationen: Bob Rutman
 
 

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