
Bob Rutman
‘Landschaft Stuhl Maria’
Malerei⁄Skulptur⁄Instrumente
11.Februar – 24.März 2012
Vernissage: 11.Februar 2012 20Uhr
bauchhund salonlabor und Kirche St. Richard
“Als Musiker ist Bob Rutman eine Legende. Sein Steel Cello Ensemble,
die selbst gebauten Instrumente — archaisch anmutende Stahl– aber auch
Styropor–Ungeheuer, die es als Kunstobjekte bis in das Smithsonian ge–
schafft haben —, Kooperationen mit Heiner Goebbels oder Peter Sellars.
Das gilt nur in eingeschränktem Maße für den Maler und bildenden Künstler
Rutman, obwohl sein Œuvre umfangreich und vielgestaltig (großformatige Öl–
und Acrylmalerei, Gravuren, Siebdrucke, Drahtskulpturen, plastische Metall–
arbeiten). Erst jüngst verlieh Wim Wenders, ein alter Freund Rutmans, der
mit ihm auch bei seinem Film In weiter Ferne, so nah! zusammengearbeitet
hatte, seinem Erstaunen Ausdruck, dass etwa die große Gemälde-Serie zum
christlichen Motiv der fünfzehn Mysterien des Rosenkranzes niemals in
ihrer Gesamtheit ausgestellt wurde.
Die Ausstellung Landschaft Stuhl Maria versucht das zu ändern, was
insofern aussichtsreich und begrüßenswert ist, da an zwei Orten ein Gesamt–
eindruck in Rutmans bildkünstlerisches Schaffen geboten werden soll, die
dafür äußerst geeignet sind. Eine Off-Galerie und eine Kirche. Über Rutmans
Nähe zur wilden und ungezügelten Szene an den Rändern muss man nicht viele
Worte verlieren, und eigentlich sollten auch Rutmans wiederholte Auftritte
— von der Coventry Cathedral, der Minoritenkirche in Krems bis hin zur
Kapelle in Friedrichshain — für sich selbst sprechen. Während die Musik
zwischen drone und wilder Verwegenheit pendelt, zeugen die Bilder und
Skulpturen von fröhlicher Beschwingtheit, Ruhe und nachgerade “weiblicher”
Sanftheit. Sie besitzen durchweg auch eine Prise Humor, die sich sogar dann
bemerkbar macht, wenn Rutman selbst von seiner Faszination durch mittel–
alterliche Kunst spricht. Die Mysterien-Serie wird erstmals beinahe voll–
ständig zu sehen sein (einige Bilder daraus sind nach Übersee verkauft) und
besticht durch ihre schlicht gehaltene allegorische Form. Unschwer wird man
auch auf diesen Leinwänden den Künstler selbst entdecken dürfen. Die Land–
schaften und Stühle lassen Ding-Welten auf singuläre und beinahe meditative
Weise die Bühne betreten. Menschen, fliegend im Linienzug, der sie sind;
Pferde, auf dem Sprung. Der Musiker Rutman wird deutlich, ja sogar deutlich
hörbar. Weniger das Schwingen ist es, das vor langer Zeit schon dazu in
der Lage war, die Mauern von Jericho zum Einsturz zu bringen; vielmehr ist
es ein sanfter beruhigender Ton, der tröstlich der Rahab gelten mag oder ihr
gewidmet sein (sie war diejenige, die gemeinsam mit all jenen, die unter
ihrem Dach lebten, die Zerstörung der Stadt überlebte).
Sieht man Bob Rutman hinter seinem Steel Cello spielen, das dem Bug eines
Schiffes gleicht, dann gewinnt man schließlich nicht den Eindruck, hier
starre jemand aufs Meer und warte auf einen Fisch. Wale, ob weiß oder auch
nicht, sind gewaltige Säuger. Doch vor dieses Bild schiebt sich jetzt
noch ein anderes oder tritt an die Seite Ahabs. Etwas, das in den Bildern
nachklingt: fröhliche Ruhe.”
Andreas L. Hofbauer, Januar 2012, für galerie bauchhund salonlabor
die selbst gebauten Instrumente — archaisch anmutende Stahl– aber auch
Styropor–Ungeheuer, die es als Kunstobjekte bis in das Smithsonian ge–
schafft haben —, Kooperationen mit Heiner Goebbels oder Peter Sellars.
Das gilt nur in eingeschränktem Maße für den Maler und bildenden Künstler
Rutman, obwohl sein Œuvre umfangreich und vielgestaltig (großformatige Öl–
und Acrylmalerei, Gravuren, Siebdrucke, Drahtskulpturen, plastische Metall–
arbeiten). Erst jüngst verlieh Wim Wenders, ein alter Freund Rutmans, der
mit ihm auch bei seinem Film In weiter Ferne, so nah! zusammengearbeitet
hatte, seinem Erstaunen Ausdruck, dass etwa die große Gemälde-Serie zum
christlichen Motiv der fünfzehn Mysterien des Rosenkranzes niemals in
ihrer Gesamtheit ausgestellt wurde.
Die Ausstellung Landschaft Stuhl Maria versucht das zu ändern, was
insofern aussichtsreich und begrüßenswert ist, da an zwei Orten ein Gesamt–
eindruck in Rutmans bildkünstlerisches Schaffen geboten werden soll, die
dafür äußerst geeignet sind. Eine Off-Galerie und eine Kirche. Über Rutmans
Nähe zur wilden und ungezügelten Szene an den Rändern muss man nicht viele
Worte verlieren, und eigentlich sollten auch Rutmans wiederholte Auftritte
— von der Coventry Cathedral, der Minoritenkirche in Krems bis hin zur
Kapelle in Friedrichshain — für sich selbst sprechen. Während die Musik
zwischen drone und wilder Verwegenheit pendelt, zeugen die Bilder und
Skulpturen von fröhlicher Beschwingtheit, Ruhe und nachgerade “weiblicher”
Sanftheit. Sie besitzen durchweg auch eine Prise Humor, die sich sogar dann
bemerkbar macht, wenn Rutman selbst von seiner Faszination durch mittel–
alterliche Kunst spricht. Die Mysterien-Serie wird erstmals beinahe voll–
ständig zu sehen sein (einige Bilder daraus sind nach Übersee verkauft) und
besticht durch ihre schlicht gehaltene allegorische Form. Unschwer wird man
auch auf diesen Leinwänden den Künstler selbst entdecken dürfen. Die Land–
schaften und Stühle lassen Ding-Welten auf singuläre und beinahe meditative
Weise die Bühne betreten. Menschen, fliegend im Linienzug, der sie sind;
Pferde, auf dem Sprung. Der Musiker Rutman wird deutlich, ja sogar deutlich
hörbar. Weniger das Schwingen ist es, das vor langer Zeit schon dazu in
der Lage war, die Mauern von Jericho zum Einsturz zu bringen; vielmehr ist
es ein sanfter beruhigender Ton, der tröstlich der Rahab gelten mag oder ihr
gewidmet sein (sie war diejenige, die gemeinsam mit all jenen, die unter
ihrem Dach lebten, die Zerstörung der Stadt überlebte).
Sieht man Bob Rutman hinter seinem Steel Cello spielen, das dem Bug eines
Schiffes gleicht, dann gewinnt man schließlich nicht den Eindruck, hier
starre jemand aufs Meer und warte auf einen Fisch. Wale, ob weiß oder auch
nicht, sind gewaltige Säuger. Doch vor dieses Bild schiebt sich jetzt
noch ein anderes oder tritt an die Seite Ahabs. Etwas, das in den Bildern
nachklingt: fröhliche Ruhe.”
Andreas L. Hofbauer, Januar 2012, für galerie bauchhund salonlabor

Foto: HD Seibt
Bob Rutman - Kurzer künstlerischer Lebenslauf
Robert (Bob) Rutman wird 1932 in Berlin geboren. 1938 flüchtet er mit
seiner jüdischen Mutter nach Polen, 1939 von dort aus weiter nach England.
1950 wandert er nach den USA aus und absolviert 1951 seinen Wehrdienst in
Deutschland (Heilbronn).
1956-1962: Kunststudium in New York und Mexiko City.
1966 gründet er eine eigene Galerie in New York. Zwischen 1970 und 1976
betreibt er mehrere multimediale Galerieprojekte in Maine (USA).
Seit Ende der 70er Jahre erfolgen umfangreiche Tourneen mit seinem
Steel Cello Ensemble durch Amerika und Europa.
1990 kehrt er nach Berlin zurück.
Bob Rutman arbeitet als Maler, Grafiker, Bildhauer und Musiker. Auf
allen diesen Gebieten sind zahlreiche Werke entstanden.
Vom bildnerischen Werk gab es bislang große Einzelausstellungen in Houston
(1959), Mexiko City (1960), New York (1963, 1964, 1983, 1985), Boston (1962,
1978), Barcelona (1990), Berlin (1988, 1990, 1991).
Aus dem künstlerischen Leben in Berlin ist Bob Rutman seit den 1990er
Jahren nicht mehr wegzudenken. Sowohl musikalisch (und seine selbstgebauten
Instrumente sind nichts anderes als “tönende Skulpturen”), wie auch
als Maler und Grafiker.
Bob Rutman hat unter anderem mit Merce Cunningham, Robert Wilson, Peter
Sellars, Wim Wenders, der Tanzfabrik Berlin und dem Stanford Group Theatre
zusammengearbeitet.
Neben zahllosen Bildern und Zeichnungen (Malerei und Grafik) sind auch
mehr als zehn Schallplatten bzw. CD–Einspielungen erfolgt.
Zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland.
Robert (Bob) Rutman wird 1932 in Berlin geboren. 1938 flüchtet er mit
seiner jüdischen Mutter nach Polen, 1939 von dort aus weiter nach England.
1950 wandert er nach den USA aus und absolviert 1951 seinen Wehrdienst in
Deutschland (Heilbronn).
1956-1962: Kunststudium in New York und Mexiko City.
1966 gründet er eine eigene Galerie in New York. Zwischen 1970 und 1976
betreibt er mehrere multimediale Galerieprojekte in Maine (USA).
Seit Ende der 70er Jahre erfolgen umfangreiche Tourneen mit seinem
Steel Cello Ensemble durch Amerika und Europa.
1990 kehrt er nach Berlin zurück.
Bob Rutman arbeitet als Maler, Grafiker, Bildhauer und Musiker. Auf
allen diesen Gebieten sind zahlreiche Werke entstanden.
Vom bildnerischen Werk gab es bislang große Einzelausstellungen in Houston
(1959), Mexiko City (1960), New York (1963, 1964, 1983, 1985), Boston (1962,
1978), Barcelona (1990), Berlin (1988, 1990, 1991).
Aus dem künstlerischen Leben in Berlin ist Bob Rutman seit den 1990er
Jahren nicht mehr wegzudenken. Sowohl musikalisch (und seine selbstgebauten
Instrumente sind nichts anderes als “tönende Skulpturen”), wie auch
als Maler und Grafiker.
Bob Rutman hat unter anderem mit Merce Cunningham, Robert Wilson, Peter
Sellars, Wim Wenders, der Tanzfabrik Berlin und dem Stanford Group Theatre
zusammengearbeitet.
Neben zahllosen Bildern und Zeichnungen (Malerei und Grafik) sind auch
mehr als zehn Schallplatten bzw. CD–Einspielungen erfolgt.
Zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland.
Weitere Informationen: Bob Rutman
Ausstellungsbesichtigung jeden Donnerstag 19 − 22 Uhr
oder nach telefonischer Vereinbarung unter 56 82 89 31
